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10 Jahre

Ein Gleichnis über die Zweisamkeit einer Partnerschaft

Heute auf den Tag genau sind meine Frau und ich zehn Jahre zusammen. Ja, zehn Jahre sind eine verdammt lange Zeit, und in diesen zehn Jahren ist so unglaublich viel passiert, dass ich darüber ein ganzes Buch schreiben könnte (was ich womöglich eines Tages tun werde). Es waren zehn Jahre voller Liebe und Hingabe, Jahre des Aufbruchs, Jahre der Angst, Jahre der Trauer, Jahre der Lust, Jahre der Wut, Jahre der Veränderung und Weiterentwicklung. Wir sind unseren Weg gegangen, Hand in Hand, und tun das bis heute. Und bei allen Widrigkeiten, die einen in jeder Beziehung ereilen, habe ich bis heute keinen einzigen Augenblick bereut, den ich zusammen mit meiner Frau auf unserem gemeinsamen Weg bestritten habe.


Ich erinnere mich an die Anfänge. Der Weg führte durch ein strahlendes Paradies, in dem alles rosarot zu schimmern schien. Die Vögel zwitscherten unentwegt, und es stand nie auch nur eine Wolke am Himmel (es sei denn, sie war aus Zuckerwatte und trug die Form eines Herzens). Es gab keine Steigungen, nur wundervolle Landschaften, an denen der Weg vorbeiführte. Überall waren saftige grüne Wiesen, majestätische Berge erstreckten sich in der Ferne. Es war ein Anblick für die Götter. Es war perfekt.

Übermenschlich perfekt.

Mit der Zeit veränderte sich der Weg. Wolken – nicht solche aus Zuckerwatte – traten in unregelmäßigen Abständen in Erscheinung und versperrten bisweilen den wärmenden Schein der Sonne. Es wehten starke und heftige Winde, und an manchen Tagen regnete es auch. Die Welt verlor ihren unnatürlichen rosaroten Schimmer und gewann an farbiger Vielfalt. Alles sah satter und lebendiger aus. Echter. Und es fühlte sich auch so an.

Manchmal zog ein Sturm auf. Es waren heftige Stürme, manchmal von einem donnernden Gewitter begleitet. Der Weg führte durch verlassene Gebiete, in denen nichts außer einem selbst vorhanden zu sein schien. Man musste mühsam Steigungen bewältigen und fragte sich bisweilen, ob man nicht besser kehrt machen und einen anderen Weg einschlagen sollte. Doch dann sah man den Partner an seiner Seite und setzte den Weg fort; Hand in Hand. Gemeinsam. Und mit jedem Schritt entfernte man sich mehr und mehr aus diesen Unwettern, und kaum war man einer Biegung gefolgt, lächelte einem schon wieder die Sonne am Firmament entgegen. Ja, die Stürme kamen auf – mal waren es mehr, mal waren es weniger – doch genauso, wie sie kamen, gingen sie auch wieder. Man brauchte nur weiterzugehen.

Halte ich heute inne und sehe mich um, sehe ich einen Feldweg vor mir; gerade breit genug für meine Frau und mich. Ich sehe saftige Wiesen und eine schier endlose Weite. In der Ferne tun sich noch immer einige Berge auf, ebenso wie manche Wälder. Der Himmel ist nur mit wenigen Wolken bedeckt, und manchmal regnet es noch immer. Doch das ist nicht schlimm. Es ist Teil dieses Weges. Ich brauche nur neben mich zu sehen und erblicke meine Frau. Sie lächelt; herzlich, mitfühlend, gütig. Sie ergreift meine Hand, und wir gehen weiter. Wir folgen dem Pfad, der uns bestimmt ist, und sehen jedem Abenteuer entgegen. Sollen Stürme aufziehen und Gewitter niedergehen; solange wir uns an den Händen halten, einander Schutz bieten und trotz aller Widrigkeiten auf einander Acht geben, wissen wir, dass wir es schaffen werden. Gemeinsam.


In ewiger Dankbarkeit und Liebe für ein Leben in perfekter Imperfektion.


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